Kann man Wein in Seife verwenden?

Ja klar!

Ich wollte schon lange einen Beitrag zum Thema Weinseife schreiben, weil es immer wieder einmal Thema in meinen Kursen ist. Die Weihnachtszeit mit leckerem Glühwein bietet sich da doch perfekt an!

In diesem Tutorial zeige ich euch, wie ihr eine „Glühwein“ Seife zuhause herstellen könnt.

Für dieses Seifenrezept solltet ihr schon etwas Erfahrung im Seife sieden mitbringen. Alle Anfänger finden hier eine ausführliche Anleitung, euch würde ich empfehlen, zunächst einmal mit einem einfachen Rezept zu starten.

Achtung

Dieses Rezept ist kein Anfänger Rezept. Ihr solltet die Grundlagen der Seifenherstellung beherrschen. Ein ausführliches Tutorial für Anfänger findet ihr hier.

Mein Rezept

Ich benutze das „Streichelzart II“ Rezept, dass ich auch in meinen Kursen verwende. Ich mag die Mischung aus Raps und Olive, außerdem bekommt man alle Öle im Supermarkt/ Drogerie, wenn man nicht extra online bestellen möchte. Insgesamt habe ich 700g Öle verseift, meine verwendete Form fasst knapp 1000g.

Wasser/ Rotwein (halb/halb – gefroren)                210.0 g (30 %)

Kakaobutter                       70 g (10 %)

Kokosöl (nativ)                  105 g (15 %)

Olivenöl                              280 g (40 %)

Rapsöl (hoher Ölgehalt)                175 g (25 %)

Rizinusöl                             70 g (10 %)

Zucker                                21g, (3%)

Pigmente

Titandioxid & Sangria von Pure Rock Colours (gibt’s beim Eulenhof)

Deko:

Getrocknete Orangenscheiben, Sternanis & Bio-Glitzer

Überfettung bitte selbst ausrechnen, ich habe 8% genommen. Das Rezept findet ihr auch bei seifdichein.de unter meinem Profil „Seifenmagie“ hier.

Die Vorbereitung – Lauge, Düfte, Zucker

Schritt 1 – Die Lauge

Zunächst einmal ein bisschen Theorie:

Alkoholische Getränke wie Wein, Bier oder Sekt könnt ihr problemlos zu einer Seife verarbeiten. Dabei ersetzt ihr einen Teil der Flüssigkeit, den ihr für das Anrühren der Lauge verwendet, durch eben Wein, Bier oder Sekt.

Achtung! Das Ganze funktioniert NICHT mit hochprozentigen alkoholischen Getränken wie Gin, Whisky oder Wodka. Hier also bitte aufpassen.

Wenn ihr eure Lauge anrührt, das heißt eure Flüssigkeit mit NaOH mischt, heizt sie sich zunächst auf. Alkoholische Getränke wie Wein können dies verstärken.

Ich empfehle euch deshalb, den Wein abzuwiegen und dann einzufrieren.

Beim Sieden mit Alkohol kann es passieren, dass der Seifenleim sehr schnell andickt. Ich benutze deshalb mittlerweile oft eine 50:50 Mischung aus Wasser und Wein für die Lauge. Außerdem lasse ich die Lauge über Nacht abkühlen und verarbeite die Öle bei einer Temperatur von ca. 30 Grad (da ist handwarm).

Ihr seht schon, die Weinseife braucht etwas Vorbereitungszeit.

Schritt 2: Die Düfte

Meine Idee war, eine weihnachtliche „Glühwein“ Seife herzustellen. Die Lauge sollte mit einem Teil Rotwein angerührt werden, fehlen also noch die Gewürze und weiteren Zutaten, die einen typischen Glühwein ausmachen:

  • Nelken
  • Zimt
  • Sternanis
  • Orange
  • Zucker

Diese Zutaten könnt ihr auf unterschiedliche Art und Weise in der Seife unterbringen. Den Zucker könnt ihr in 30g Wasser auflösen und dann später zum Seifenleim dazu geben. Ich habe ihn in der noch warmen Lauge aufgelöst, was zwar funktioniert, aber etwas kniffelig ist. In zusätzlichem Wasser auflösen klappt definitiv besser (übrigens auch mit Honig). Zusätzlicher Zucker verstärk die Schaumqualität, außerdem meine ich, teilweise auch eine leichte Karamellnote riechen zu können.

Ich wollte bei diesem Rezept aber vor allem mit verschiedenen Düften arbeiten.

Dazu möchte ich euch zwei Möglichkeiten vorstellen: Die Verwendung von ätherischen Ölen oder die Verwendung eines Mix aus ätherischen Ölen und Parfümölen. Beides hat seine Vor- und Nachteile.

Variante 1: Ätherische Öle

Für den typischen Glühweinduft könnt ihr wunderbar ätherische Öle benutzen: Nelke, Cassia, Sternanis und Orange. Die verlinkten Öle sind meine Empfehlungen, ihr könnt sie natürlich im Rohstoffbedarf eurer Wahl bestellen.

Achtet für einen Zimtduft darauf, dass es wirklich Cassia ist und nicht Zimtrinde (das nicht den „typischen“ Zimtgeruch hat). Bei Dragonspice wird der Unterschied hier sehr gut erklärt.

An dieser Stelle müsst ihr dringend darauf achten, wie ihr die Öle dosiert. Nelke, Cassia und Sternanis sind mit Vorsicht zu genießen. Benutzt ihr zu viel, könnten Hautreaktionen wie Ausschläge und ähnliches die Folge sein. Um herauszufinden, wie viel ihr von dem jeweiligen Öl benutzen könnt, empfehle ich den EOCalc. Der EOCalc ist ein Rechner für ätherische Öle und zeigt euch, welche Einsatzkonzentration ihr für eure ätherischen Öle verwenden könnt. Leider ist er im Moment nur auf Englisch verfügbar, aber die Bedienung ist wirklich nicht schwer.

Ihr müsst zunächst auf der Startseite „Calculate your own blend“ auswählen. Dann wählt ihr im Drop-down-Menü rechts oben eure ätherischen Öle aus.

Danach gebt ihr die Prozentwerte eurer ätherischen Ölmischung ein. Ich habe einen hohen Anteil an Orangenöl gewählt. Zum einen, weil die feine, fruchtige Orange sonst schnell von den anderen Düften überlagert worden wäre, zum anderen sind die Einsatzkonzentrationen von Cassia, Sternanis und Nelke relativ gering (mehr wäre also nicht möglich gewesen).

Jetzt müsst ihr noch unter „Product Type“ angeben, was ihr genau herstellen möchtet. Seife gehört zur Kategorie 9, ihr findet sie relativ weit oben im Menü unter „Cold Processed Soap“. Dann gebt ihr bei „Amount“ die Menge an Ölen an, die ihr verseifen möchtet und stellt bei der Einheit „g“ für Gramm ein. Standardmäßig sind nämlich Unzen „oz“ eingestellt. Klickt dann auf „Give me usage rates“ und ihr erhaltet eine Tabelle mit allen Einsatzkonzentrationen:

    Wichtig ist, dass die Werte grün hinterlegt sind. Würden wir das ätherische Orangenöl weglassen, würde es schon anders aussehen, wir könnten nur sehr wenig ätherisches Öl benutzen:

    Bei EOCalc findet ihr auch weitere Ölmischungen unter „Browse Essential Oil Blends“. Macht viel Spaß und man bekommt viel Inspiration.

    Bei EOCalc findet ihr auch weitere Ölmischungen unter „Browse Essential Oil Blends“. Macht viel Spaß und man bekommt viel Inspiration.

    Variante 2: Mix aus Parfümölen und ätherischen Ölen

    Wenn man richtig Lust auf viel Zimt und Sternanis hat, aber keine Hautreizungen möchtet, sind Parfümöle die perfekte Alternative.

    Ich habe mich für eine Mischung aus Zimt-Orange und Sternanis entschieden, dem ganzen habe ich dann noch eine kleine Menge Nelkenöl hinzugefügt:

    Orange Cinnamon 1,5%

    Anisseed 1%

    Ätherisches Nelkenöl 0,5%

    Die Düfte von Craftovator kann man nur über deren Website aus England bestellen, aber es lohnt sich! Ihr braucht auch keine Sorge bezüglich des Zolls haben, das wird automatisch abgewickelt, man bezahlt dann einfach bei der Post eine Gebühr von ca. 15€. Natürlich könnt ihr auch ein Parfümöl mit Zimtduft eurer Wahl nehmen.

    2. Glühwein Seife sieden

    Nach so viel Theorie geht es dann aber mal los!

    Legt eure Schutzausrüstung an, holt den Pürierstab raus!

    Stellt euch direkt eure Pigmente und einen kleinen Behälter für das weiße Topping zurecht.

    Gebt die Lauge vorsichtig zu eurer Ölmischung, bei Weinseife rühre ich erste einmal nur mit dem Spatel, um zu testen, wie schnell der Seifenleim andickt. Dann püriere ich vorsichtig auf kleiner Stufe. Da ich dieses Mal noch Fotos gemacht habe, musste ich wirklich ganz schön schnell sein!

    Ich teile eine kleine Mange Seifenleim ab und färbe diese mit einem viertel Teeflöffel Titandioxid weiß ein. Das Titandioxid von Pure Rock Colours kann man meiner Meinung nach sehr gut direkt in die Seife einarbeiten, ich löse es nicht vorher in Öl auf.

    Danach gebe ich das rote Sangria Mica zum restlichen Seifenleim und arbeite es gut ein, sodass keine Klümpchen mehr zu sehen sind.

    Danach gebe ich den Duft dazu, ich teile ihn nach Augenmaß auf beide Behälter auf.

    Dann müsst ihr wirklich fix sein! Gebt den Seifenleim in eure Form und verziert eure Seife nach Wunsch mit etwas getrockneten Orangen, Anis & Glitzer (alternativ kann man hier goldenes Mica nehmen).

    Die Seife wird sehr schnell warm, deshalb würde ich sie nicht isolieren und lieber in einen kalten Raum stellen.

    Ich habe sie nach 2 Tagen ausgeformt und geschnitten, ggf. kann es aber auch bis zu 7 Tage dauern, bis ihr die Seife ausformen könnt. Ich empfehle als Reifezeit mindestens 4 Wochen.

     

     

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